2 Jahre Dresden.

19:24


Es ist Dezember. Kalt. Zu kalt für romantische Spaziergänge am Elbufer oder ein Picknick im Großen Garten. Wir denken darüber nach, was wir bei solch einem Wetter als nächstes unternehmen könnten.
Basketballspiel. Heimspiel der Dresden Titans in der Margon Arena. Obwohl ich keine angenehmen Erinnerungen mehr damit verbinde, bin ich bereit dich zu begleiten. Du hast die Karten von deinem Chef geschenkt bekommen.
Und ich? Ich schaffe neue Erinnerungen. Neue Erinnerungen mit dir.
Es ist eins unserer ersten Dates, aber wir kennen uns gut genug, dass ich dir die Ohren über dein abscheuliches ständiges Kaugummikauen volljammern kann.
So sitzen wir inmitten von tausenden jubelnden, trommelnden und klatschenden Menschen. Und noch ein Dreier. Das Trommeln direkt neben uns wird lauter. Zugegebenerweise kein besonders guter Ort um sich zu kennenzulernen, aber zwischen den ganzen Jubelrufen sprechen wir über unsere Zukunft - wo wir am liebsten wohnen würden. Natürlich kommt München als erstes in meine Gedanken - oft genug habe ich darüber nachgedacht, doch ich kann es noch nicht aussprechen. Aus Angst du würdest denken, ich sage das nur um dir zu gefallen.
„München würde so gut zu dir passen. Du bist ein richtiges München City Girl. Deine Locken, dieser Blogger-Lifestyle, alles einfach. Du würdest da so gut reinpassen.“
Im ersten Moment dachte ich - wow wir haben uns wie oft gesehen? Drei mal - und schon willst du mich wieder loswerden?
„Du brauchst einfach eine Stadt mit mehr Puls, glaub mir. Du würdest dich in diese Stadt verlieben.“
Aber ich weiß, dass es nicht das ist. Natürlich geht es nicht darum mich wieder los zu werden. Nein er möchte mich glücklich sehen.



01.November 2015. So ziemlich genau zwei Jahre ist es nun her, dass ich meine eigene kleine 38-qm2 Wohnung hier in Dresden bezogen habe. Mein ständiger Wohnsitz hat sich nach 19 Jahren erstmalig geändert. So richtig auf Papier. In schwarz und weiß.
Doch für mich stellte es gar nicht so eine große Veränderung dar. Ich bin in einer kleineren Stadt, gar nicht weit entfernt von Dresden aufgewachsen und war dementsprechend auch öfters mal hier unterwegs. Dresden bedeutete für mich fröhliche Shopping-Trips mit Mama. Prager Straße. Mein mühsam gespartes Taschengeld für Klamotten ausgeben. Oder ein neues Restaurant testen mit Papa. Und heute ist es nur noch Alltag: grauer Alltag.



Natürlich war es anfangs aufregend endlich eine eigene Wohnung zu haben, alles selbst in die Hand zu nehmen. Ich habe lange auf diesen Tag gewartet - die erste eigene Wohnung. Lange vorher schon habe ich alles geplant. Welche Farbe mein Zimmer bekommt und welches Geschirr ich kaufen werde. (Obwohl ich mir beim Thema Geschirr jetzt manchmal die guten alten Zeiten, in denen Mama den Abwasch gemacht hat, sehnlichst zurückwünsche!) 
Das Studium beginnt und ich habe viele neue Leute kennengelernt. So viele Eindrücke.



Ich habe in den letzten Jahren meine beste Freundin und Seelenverwandte (die ich hier nicht allein zurücklassen werde!) und andere Menschen, die mir sehr ans Herz gewachsen sind kennengelernt. Durch sie habe ich mich weiterentwickelt, verändert und bin stärker geworden.
Auch Menschen, die mich lange begleitet haben, aber mir nicht gut getan haben, konnte ich endlich loslassen. 
In meinem Biologie-Studium habe ich mittlerweile eine große Leidenschaft gefunden. Was ich zugegebenermaßen nicht erwartet hätte! Anfangs war ich mir nicht mal sicher, ob ich das ganze zu Ende bringen möchte, aber jetzt bin ich mir sicherer denn je. Wer hätte gedacht, dass aus mir - die, die Naturwissenschaften in der Schulzeit über alles gehasst hat, so ein kleiner Biologie-Freak wird? Wie ihr bei Instagram bestimmt schon mitbekommen habt, hat es mir die Mikrobiologie ja besonders angetan.. Tja alles verändert sich eben.



Rückblickend waren die letzten 24 Monate wahnsinnig turbulent. So etwas nimmt man währenddessen nicht so sehr wahr wie jetzt. Wenn man zurückschaut und sich verdeutlicht wie weit man gekommen ist. Aber das ist doch das schöne am Leben, habe ich recht? „Day by day nothing changes, but when you look back, everything is different“ - genau dieser Spruch trifft auf die letzten zwei Jahre zu. Ich denke ich kann sagen, dass ich größtenteils glücklich war, aber es gab natürlich auch einige Tiefs. Wie schon in einem meiner vorherigen Blogposts erwähnt: das Leben ist nun mal eine verdammte Sinuskurve.

Und jetzt bin ich hier angekommen. Die Zeit ist wie im Fluge vergangen. Schon bin ich im 5. Semester meines Studiums und bald bin ich dabei meine Bachelorarbeit zu schreiben. Und was soll ich sagen? Es war eine Erfahrung hier zu wohnen und zu leben, aber sobald ich mein Studium beendet habe werde ich in eine größere Stadt ziehen. Dresden langweilt mich so sehr. Ich weiß viele können das nicht verstehen, sie sind extra hier hergezogen um zu studieren. Natürlich gibt es viele schöne Seiten an Dresden, aber ich habe mein ganzes Leben lang hier in der Nähe gewohnt. Habe Europa noch nie verlassen und gleich nach dem Abitur mein Studium begonnen. Kein fancy Auslandsjahr nach dem Abi oder Auslandssemester während des Studiums. Vielleicht liegt es daran oder Dresden ist einfach wirklich zu altmodisch. Ich weiß noch nicht genau in welche Stadt es mich ziehen wird (München steht da natürlich ganz oben auf der Liste!), aber ich muss unbedingt raus aus Dresden. Soviel steht fest.



Fast genau ein ganzes Jahr später sitzen wir in seinem Auto als er mich zu einem Abendessen mit einer Freundin fährt. Wir bleiben an einer leeren Kreuzung an einer roten Ampel stehen.
„Bereust du es eigentlich manchmal, dass du mich kennengelernt hast?" fragt er in die Stille.
"Nein. Das würde ich niemals bereuen."
Wie könnte ich das jemals.
"Hasst du mich manchmal?"
"Nein natürlich hasse dich nicht."
Wie könnte ich das jemals.
"Und hasst du dich manchmal? Dafür, dass du mich magst?"
Ich spüre einen kleinen Stich in meinem Herzen. Damit hat er mitten ins Schwarze getroffen.
"Ja manchmal schon. Es kann sehr weh tun dich zu mögen."
Jetzt nimmt er meine Hand. Während die Ampel wieder auf grün schaltet und wir weiter fahren. Wie in einer kitschigen Liebeskomödie.
"Hanni. Ich würde das eigentlich niemals zugeben, aber du machst dieses Dresden um einiges erträglicher."
Mir geht es genauso.









Die Bilder sind letzten Sonntag bei verregnetem und kaltem Wetter mit Frank entstanden, als er draußen im Regen stand und ich drinnen saß und einen warmen Matcha Latte getrunken habe. Also Credits an Frank! :D



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2 Kommentare

  1. Oh, was für ein wundervoller Post! Die Bilder sehen so, so schön aus :)

    Viele liebe Grüße, Julia ☾ | www.serendipityblog.de

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