Das Leben ist eine verdammte Sinuskurve.

15:22



 „Früher dachte ich immer, das Leben sei wie eine lineare Funktion.“ sagt er, während er in Gedanken versunken an die Zimmerdecke starrt. „Man entspringt wie eine Funktion im Ursprung und erreicht nacheinander Abschnitt für Abschnitt. Aber stell dir das doch mal vor.“ Er schüttelt nun seinen Kopf und lacht. Lacht über sich selbst? Über seine Naivität? „So spielt das Leben nun mal nicht.“ Jetzt schaut er mir direkt in die Augen und sagt „Das Leben ist eine verdammte Sinuskurve!“

Jeder von uns hat gewisse Vorstellungen in seinem Kopf. Das Abitur macht von allem nur den Anfang. Es reihen sich mehrere akademische Abschlüsse an. In allen Bereichen unseres Lebens wollen wir erfolgreich sein. Fünf Mal pro Woche zum Sport, möglichst gute Noten, 100k Follower auf Instagram und Freunde und Familie dürfen auch nicht zu kurz kommen. Selbst wenn wir viele Freunde haben, die immer für einen da sind, Erfolg im Beruf, das neueste IPhone und jemanden, der den Sonntag Abend mit einem verbringt sind wir nicht glücklich. Wir sind mit dem Einfachen nicht zufrieden. Der Anstieg der Geraden, welche sich unser Leben nennt, sollte möglichst positiv sein. Höher, schneller, immer positiver.

Dabei ist das Leben nicht linear. Es ist nicht etwas, was immer nur nach oben wächst.

Bei mir war es das Medizinstudium, welches ich mir schon seit Jahren in den Kopf gesetzt hatte. Ich wollte immer besser sein als die Anderen. Bessere Noten. Mehr Lernen. Habe Nachmittage damit verbracht Unterrichtsstunden nachzuarbeiten und fein säuberlich aufzuschreiben. Aber Perfektionismus ist anstrengend. Und geht nicht immer auf.
Mindestens ein 1,5er Abitur. Medizinstudium in der Wunschstadt. Meine persönliche Zielgerade.

Dabei ist das Leben nicht linear. Es nicht etwas was immer nur nach oben wächst.

Natürlich wachsen wir. Entwickeln uns weiter und führen das Leben mit dem positiven Anstieg. Doch dann, gerade dann wenn wir uns sicher fühlen, sicher und glücklich, werden wir wieder eingeholt. Wir werden eingeholt von Wellen des Schmerzes und der Trauer. Und langsam fallen wir in uns zusammen, wie eine Sandburg, die kurz vor der Flut perfekt aufgebaut wurde. Wir versuchen die Wellen mit unseren Händen aufzuhalten, das Wasser abzuhalten. Aber alles was wir uns so lange hart erarbeitet haben, fällt langsam in sich zusammen.

Doch dann gibt es diese Momente, die dir zeigen dass nichts umsonst gewesen ist. Auch wenn sie noch so klein sind. Klitzekleine Funken der Hoffnung. Du merkst, dass es wieder bergauf geht. Umwege, die dich trotzdem ans Ziel bringen. In deinem Hinterkopf hast du dir zwar ganz fest eingeredet, dass das Glück nicht von langer Dauer sein wird, aber du läufst einfach drauf los. Lachst, als hättest du nie geweint. Tanzt, als würde dich niemand sehen. Liebst, als wärst du nie verletzt worden. 

Und wenn ich eines 2016 gelernt habe, dann dass es keine Konstanten im Leben gibt, sondern nur sehr kurze konstante Zeiten. Es geht immer wieder hoch und runter. Hoch, runter, hoch runter - in einem konstanten Rhythmus. Loslassen. Annehmen. Sich verändern und weiter wachsen. Es gibt keinen Stillstand. Und dadurch, dass sich ohnehin alles verändert, kann ich auch einfach jetzt glücklich sein. 

„Und wo befindest du dich gerade?“ frage ich ihn. „Auf der Kurve meine ich.“
„Ganz unten. Ich bin froh wenn das Jahr vorbei ist.“ 




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18 Kommentare

  1. Das hast du wirklich wahnsinnig schön geschrieben! Genau so ist es doch, und manchmal steht man sich selbst damit, zum viel für sein Ziel zu geben selbst im Weg. Klar sollte man sich immer anstrengen und sich Mühe geben, aber auch wissen, wann genug ist. Daran werde ich die nächsten Monate auch unbedingt noch arbeiten.

    Liebe Grüße
    Stephi von http://stephisstories.de

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    1. Danke Stephi für deinen Kommentar! Ja mir geht es genauso, daran muss ich auch noch arbeiten.

      <3

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  2. Wirklich sehr schön geschrieben!
    Ich glaube es ist wichtig, dass wir die kleinen schönen Momente im Leben wertschätzen und die großen Momente als einen Bonus ansehen, da diese natürlich nicht so häufig vorkommen. Wir leben in einer Gesellschaft, wo der Drang nach Perfektion immer größer wird, habe ich den Eindruck. Es muss alles immer Besser und Besser werden, ohne dass man mal tief Luft holt und sagt " Wow, dass habe ich schon alles geschafft"
    Erfolge sind wichtig im Leben und noch wichtiger im Beruf, aber man muss auch mal abschalten können und auf sich stolz sein! :-)
    Ganz Liebe Grüße und weiter so!
    Sarah <3

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    1. Danke Sarah, das hast du wirklich schön gesagt! Ich sollte mir auch öfters vor Augen führen, was ich schon alles erreicht habe.
      <3

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  3. Richtig schöner Text, liebe Johanna <3 Ich glaube an dich! Liebe Grüße, Feli von www.felinipralini.de

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    1. Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.

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    2. Du bist so lieb, danke feli! <3
      da merkt man gleich wer die wahren Frühaufsteher sind hier :D

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  4. Ein super toller Look! Ich liebe ja einfach deine Haare <3
    Liebe Grüße, Fiona THEDASHINGRIDER.com

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  5. So ein schöner Text! Ich finde gerade zum Jahresbeginn ist es gut, sich darüber mal Gedanken zu machen :)

    Die Fotos sind übrigens auch toll, das Outfit steht dir so gut <3

    Liebe Grüße

    http://nilooorac.com/

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  6. Wow liebes , ein toller Text und wundervoll geschrieben- da sprichst du glaub ich vielen aus der Seele:)
    Danke für diese Worte
    Liebste Grüße
    Tascha
    www.taschasdailyattitude.com

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  7. Tolle Bilder und süßes Outfit :-)

    Liebe Grüße
    janaahoppe.blogspot.de

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  8. Da hast du völlig Recht.

    Liebe Grüsse

    Priscilla

    BEAUTYNATURE

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  9. Das ist so schön beschrieben. Das Leben ist wirklich eine Sinuskurve und man möchte die Höhen immer Ausweiten. Man möchte nicht stoppen und fällt dann doch.
    Schöner Blogpost.:)
    Liebe Grüße
    www.christinsophie.com

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